Jahr für Jahr sah Doris dasselbe Muster. Die unruhigen Kinder im Klassenzimmer, die, die nicht stillsitzen konnten, die die Beherrschung verloren, die ihre Hausaufgaben vergaßen, waren nicht dumm. Sie waren nicht faul. Sie waren nicht kaputt.
Niemand hatte ihnen einfach gezeigt, wie ihr Gehirn funktioniert.
Sie sah, wie Kinder mit ADHS von einem System im Stich gelassen wurden, das nur zwei Lösungen anbot: mehr schimpfen oder mehr medikamentieren. Sie sah Eltern, die Tausende von Franken an Psychologen
bezahlten, die den Kindern beibrachten, tief zu atmen, ohne jemals zu erklären, warum es helfen würde. Sie sah die stillen Tränen in den Augen von Müttern, die wussten, dass ihr Kind etwas Besonderes war, es aber nicht mehr laut sagen konnten.
Sie hatte genug gesehen.
Im Jahr 2019 verließ Doris das Klassenzimmer, um alles aufzuschreiben, was sie wusste. Sie kombinierte Jahrzehnte der Forschung in der Entwicklungspsychologie mit Geschichten, denen Kinder tatsächlich zuhören wollen. Keine Vorlesungen. Keine Regeln. Nur ein Junge namens Max, der genau das erlebt, was jedes Kind erlebt, und der zurückfindet, eine kleine Regel nach der anderen.
Das Buch wurde zu mehr, als sie sich jemals vorgestellt hatte. Eltern aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und ganz Europa begannen sich zu melden. Pädagogen begannen, es im Klassenzimmer zu verwenden. Kinderpsychologen begannen, es in ihren Sitzungen zu empfehlen.
Doris lebt heute mit ihrer Familie in Salzburg, wo sie an ihrem nächsten Buch arbeitet.
Sie hat eine Mission: Kein Kind mit einem aktiven, emotional starken Gehirn soll aufwachsen müssen und glauben, dass es kaputt ist.